Captchas und Future Shock

Ich habe gerade einen Blogeintrag über eine CAPTCHA-Solving-Farm gelesen. Jemand hat eine Anzahl Leute vor Computern sitzen, die den ganzen Tag nichts anderes machen, als CAPTCHAs einzugeben. Das kann man anmieten, kostet zwischen 9 und 15 Dollar pro 1000  gelösten CAPTCHAs.

Stundenlohn für die Jungs kann man sich jetzt ausrechnen, und manchem, der sonst nichts zu tun hat, mag das sogar interessant erscheinen. So weit, so gut. War ja auch irgendwie vorhersagbar, man kennt ja diese Geschichten, mit denen CAPTCHAs outgesourced werden. Z.B. durch Pornoseiten: man kauft sich einige Pornos ein, macht eine entsprechende Website auf, und um die Sachen dann anschauen zu können, muss der Besucher vorher CAPTCHAS lösen. Die Aufgaben wiederum kommen von Facebook oder GMX oder Yahoo und dienen dazu, dutzende Fake-Accounts zu erschaffen. Ha, lustig, nette Idee, aber gibt’s das auch im großen Stil?

Ja.

  1. Der Blogeintrag stammt von 2007.
  2. Nach einer kurzen Diskussion in den Kommentaren bieten massig Menschen (die offenbar den Artikel nicht gelesen haben) ihre Dienste an. $8/1000 aus Bangladesh. $4/1000 aus Vietnam. $2/1000 aus Bangladesh. $1/1000 aus Indien. Usw. usw. usf.

Die Kommentare verkommen sehr schnell zu einer Art Marktplatz, es tauchen immer mehr Menschen auf, die CAPTCHAS lösen, und dann auch Käufer, z.B. jemand, der Leute sucht, die für sie myspace-Profile einrichten und 4000 Friend-Requests täglich versenden.

Was passiert hier? Es sollte völlig klar sein, daß diese Art von Arbeit keinerlei gesellschaftlichen Nutzen erzeugt. Hier räumen gegen Geld Leute Hindernisse weg, die andere Leute hingeräumt haben.Und das scheint sich zu lohnen. Aber wo wird das Geld gemacht? Was passiert mit den abertausenden freigeschalteten Fake-Accounts bei Google, Yahoo, sonstwo?

Hier setzt bei mir der Future Shock ein. Geldströme fließen in Länder mit billiger Arbeitskraft, um CAPTCHAS tausendfach zu lösen, um dann, ja was? Was passiert mit dieser Arbeitsleistung? Und: Das war der Stand von vor 5 Jahren. Was auch immer passierte ist wahrscheinlich inzwischen genauso oldschool wie Hemden aus Nepal importieren und im Hippieladen verkaufen.

Schreibe einen Kommentar